Landwirtschaftlicher Lehrbetrieb

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Landwirtschaftl. Lehrbetrieb

Der landwirtschaftliche Lehrbetrieb der LLA Imst befindet sich im Ortsteil Brennbichl und ist ca. 3 km von den Schulgebäuden entfernt.

Die Bewirtschaftung der Acker- und Grünlandflächen sowie die Viehhaltung erfolgen nach den Richtlinien des Biolandbaus (Bio Austria Betrieb). Neben Rindern (Milchvieh, Jungviehaufzucht, Freilandmutterkuhhaltung) werden auch Schafe, Mastschweine, Mastgeflügel und Legehennen gehalten. Die erzeugten Lebensmittel werden an die Internatsküchen geliefert oder über den Hofladen und sonstige Verarbeitungsbetriebe vermarktet.

Die betreuten forstlichen Flächen bestehen aus einem Eigenwald sowie Teilwäldern, die auf 60 verschiedene Parzellen verteilt sind. Im Rahmen des praktischen Unterrichts erwerben sich die SchülerInnen Kenntnisse und Fertigkeiten in den Bereichen Viehhaltung, Grünlandwirtschaft, Ackerbau, Forstwirtschaft, Maschinenpflege und Produktverarbeitung.  

Betriebliche Daten

Höhenlage 750 m ü. M.
Niederschläge 750 – 880 mm/Jahr
Mittlere Temperatur +6,5°C

Flächenausstattung (3,7 ha Pachtflächenanteil)

28,62 ha Landwirtschaftliche Nutzfläche
13,04 ha Ackerland 2,57 ha Silomais, 0,59 ha Kartoffel, 2,08 ha Getreide, 7,80 ha Wechselwiese
15,69 ha Grünland 13,65 ha Dauer-/Mähwiese, 2,04 ha Streuwiese
9,30 ha Eigenwald
30,80 ha Teilwald

Tierhaltung (Tierbestand am 01.12.2017)

62 Rinder 26 Milchkühe (Braunvieh, Grauvieh, Fleckvieh), 4 Grauviehmutterkühe, 8 Kalbinnen, 24 Jungtiere
39 Schafe 20 Mutterschafe, 18 Jungtiere, 1 Fleischwidder (Ile de France)
Schweine 30 Mastschweine
Geflügel 100 Legehennen, 200 Masthühner

Pflanzenbau

Die Ernte aus der Grünlandwirtschaft (Heu, Grassilage, Grünfutter) sowie der Silomais (Maissilage) werden zur Gänze an das Vieh verfüttert.
Der Kartoffelanbau dient der Versorgung der Internatsküchen und der Produktion von Biosaatgut.

In Kooperation mit der ARGE Landwirtschaftliches Versuchswesen und der Universität Innsbruck werden insgesamt 4 ha Versuchsflächen (Forschungsbauernhof) bewirtschaftet. Neben Sortenversuchen (Getreide, Erdäpfel, Mais), einem Generhaltungsprogramm und einer Saatgutvermehrung (Getreide) werden parzellenweise wissenschaftliche Untersuchungen (Bodenleben, Pflanzenschädlinge) durchgeführt.

Viehhaltung

Der Stalldurchschnitt in der Milchviehhaltung (2016) betrug 7 431 kg Milch bei 4,23 % Fett und 3,44 % Eiweiß. Von der gesamten Milchmenge werden 70 % an die Berglandmilch geliefert, die restlichen 30 % werden im Unterricht verarbeitet bzw. an die Kälber verfüttert.

Der Lehrbetrieb erhielt den "Brown Swiss Management-Award 2015", eine Auszeichnung für Betriebe, die einerseits bei Milchleistung, Milchinhaltsstoffen und Lebensleistung, aber vor allem im Bereich Fitnesseigenschaften, wie Langlebigkeit, Fruchtbarkeit und Eutergesundheit, bestimmte Mindestkriterien erfüllen.

Bei der 109. Jahreshauptversammlung des Tiroler Braunviehzuchtverbandes konnte unser Staller Gerhard Melmer die Treueprämie für die teuerste Erstlingskuh, versteigert am 7. April 2015 im Agrarzentrum West in Imst, entgegennehmen.

Das begehrte Milchgütesiegel, von Tirol Milch und der Landwirtschaftskammer initiiert, wird mittlerweile schon seit über 20 Jahren vergeben. Für die Erzeugung von Qualitätsmilchprodukten ist hochwertige und hygienisch einwandfreie Milch eine Grundvoraussetzung. Deshalb werden vom Verarbeitungsbetrieb laufend Proben von der angelieferten Milch genommen. Unser Lehrbetrieb konnte auch für das Jahr 2016 bereits zum 18. Mal die Qualitätsanforderungen erfüllen und das Milchgütesiegel in Innsbruck in Empfang nehmen.

Im Rahmen des Projektes Freilandmutterkuhhaltung werden 4 Grauviehmutterkühe samt Nachzucht in einem Unterstand mit ständigem Weidezugang sowie sommerliche Alpung gehalten.

Die Schafhaltung beschränkt sich auf die Produktion von Mastlämmern. Zur Verbesserung der Wüchsigkeit und Fleischqualität werden die Mutterschafe (Tiroler Bergschaf) mit einem Fleischwidder (Ile le France) gekreuzt.

Die Schweine- und Geflügelhaltung dient einerseits der Versorgung der Internatsküchen mit Schweinefleisch und Eiern, andererseits der Belieferung des Hofladens.

Folgende Praxisprogramme werden am Lehrbetrieb durchgeführt:

Landtechnik:
  • Maschinenpflege und Wartung 
  • Traktordurchsicht 
  • Grünlandmechanisierung
  • Bodenbearbeitung und Erntetechnik im Ackerbau 
  • Einfaches Mauerwerk 
  • Mauerwerk und Isolierung 

Pflanzenbau:
  • Wiesenbeurteilung 
  • Wirtschaftsdünger und deren Aufbereitung 
  • Biotop- und Grünraumgestaltung 
  • Kartoffelanbau 
  • Kartoffelernte 

Viehhaltung:
  • Melkpraxis 
  • Klauenpflege 
  • Haltung und Pflege von Rindern 
  • Futtermittelbeurteilung 
  • Mutterkuhhaltung 
  • Schafschur, Klauenpflege und Parasitenbehandlung 
  • Pferdehaltung 
  • Tierbeurteilung beim Rind 
  • Haltung von Legehennen und Masthühnern 
  • Stallhygiene und Melktechnik 
  • Schlachtung 
  • Stallbau - Kuhkomfort - Kuhsignale  

Bis jetzt wurde vielfach die Meinung vertreten, dass sich nur sogenannte Robustrassen wie Schottisches Hochlandrind oder Galloway zur ganzjährigen Freilandhaltung eignen. In unserem Versuch ging es darum zu beweisen, dass auch heimische Zweinutzungsrassen dazu bestens geeignet sind.

Rückblick

Im Juni 2003 wurde zusammen mit dem Grauviehzuchtverband die Idee geboren, Grauviehmutterkühe ganzjährig im Freien zu halten. Da die Hauptkosten im Bau eines Stallgebäudes anzusetzen sind, war es uns ein großes Anliegen durch die Errichtung eines einfachen Unterstandes Kosten einzusparen. Der neue Unterstand wurde als Praxisprojekt von den Schülern der LLA Imst unter Mithilfe der Lehrpersonen und Betriebsangestellten im Frühjahr 2004 in Holzbauweise errichtet. Die Schüler befassen sich insbesondere mit der Tierbetreuung, Wiegung und Analyse der Daten.

Viehunterstand

Das Praxisprojekt umfasste Planung, Holzliste, Holzschlägerung, Abbinden, Aufstellen, Dachschalung, Wandverschalung und Fertigung der Fressgitter. Der Unterstand dient als Schutz vor Wind und Nässe, als komfortabler Liege- und Fressplatz.

  • Futterplatz: 12 m²
  • Liegefläche: 60 m²
  • Tiefstreu mit Langstroh
  • 5 Fressplätze für Mutterkühe
  • 5 Fressplätze für Kälber
  • Tränke mit fließendem Grundwasser

Die Gesamtkosten beliefen sich auf ca. € 13.500 ohne Bewertung des eigenen Bauholzes und unserer Eigenleistungen.

Weiterentwicklung des Unterstandes (ab Jänner 2013)

Um den Strohverbrauch aufgrund der Haltung der Tiere auf Tiefstreu einzuschränken, errichteten wir neue Liegeboxen-Tiefboxen mit zusätzlicher Verschalung der Ost- und der Südwand entlang der Liegeboxlängsseite auf eine Höhe von 1,50 m. Oberhalb der Verschalung wurden einfache Windschutznetze montiert. Im Kälberschlupf liegen die Kälber weiterhin auf Tiefstreu. Die Entmistung erfolgt alle zwei Tage mittels Hoftrac.

Klima

Das Klima in Imst-Brennbichl ist sehr rau. Die bisherige Tagestiefsttemperatur wurde am 22.12.2004 gemessen. Um 8 Uhr in der Früh hatte es –20,5 ° C, die Tageshöchsttemperatur betrug an diesem Tag –12,6 ° C. Diese Werte wurden bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr übertroffen.

Tiere

4 hochträchtige Kalbinnen wurden bei der Versteigerung im Herbst 2004 angekauft, 1 Kalbin stammte aus dem eigenen Betrieb. Die Tiere waren alle mit Grauviehstieren belegt. Über die Jahre betrachtet, lagen die Geburtsgewichte bei den Jungrindern im Schnitt bei 45 kg. Derzeit befinden sich 5 Mutterkühe, 2 Kuh- und 3 Stierkälber, welche kastriert werden am Hof. Im Sommer kommen die Mutterkühe mit ihren Kälbern für ca. 100 Tage auf die Alm.

Fütterung

Die Tiere erhalten im Winter Heu mittlerer Qualität, Grassilage guter Qualität sowie Mineralstoffe. Getreide wird bei den Kühen nur in Ausnahmefällen wie schlechter Köperkondition zugefüttert. Ab Beginn bis Ende der Vegetation holen sich die Tiere das Weidegras von der frei zugänglichen Weidefläche. Falls notwendig wird den Tieren Heu bereitgestellt.

Vermarktung

Ein Teil der Rinder wird über die Tiroler Viehmarketing im Rahmen des Qualitätsfleischprojektes „Tiroler Jahrling“ mit einem Lebendgewicht von 350 bis 450 kg und maximal einem Jahr alt abgesetzt. Der übrige Teil dient der Verpflegung der SchülerInnen, wobei sie nicht nur die hervorragende Fleischqualität genießen, sondern auch die Schritte von der Schlachtung über die Zerteilung bis auf den Teller mitverfolgen können.

Ergebnisse

Seit Beginn des Versuches gibt es keine nennenswerten gesundheitlichen Probleme. Die Geburten waren problemlos, die Kälber sind sehr vital. Die Milchleistung und die Euterqualität der Kühe ist optimal. Dies beweisen die Tageszunahmen der Kälber. Die Jungrinder weisen über die letzten 9 Jahre eine durchschnittliche Tageszunahme von 1050g trotz Alpung auf. Das Körpergewicht der Kühe unterliegt den normalen Schwankungen je nach Leistungsstadium.

Österreichische Staatspreismedaille für die LLA Imst.

Am Freitag, dem 28. September 2007 überreichte die Leiterin der Sektion III, Landwirtschaft und Ernährung, DI Edith Klauser an die LLA Imst die Staatspreismedaille in Bronze.  

Bei der Bundesfleischrinderschau im September 2007 in Ried i. I., Oberösterreich, wurde die Kuh Gamsl zur Gesamtsiegerin der Grauviehkühe gewählt.

Management - Fruchtbarkeit

Da die männlichen Tiere kastriert werden und durch die Jungrindproduktion die Jungrinder für maximal ein Jahr am Hof verbleiben ist der Managementaufwand eher niedrig anzusetzen.

Aus Sicht der Wirtschaftlichkeit muss größtes Augenmerk auf die Optimierung der Fruchtbarkeit der Kühe gelegt werden. Der Gesamtzustand der Kuh, die Haltung, die Bewegungsfreiheit, die Lichtverhältnisse sowie die Fütterung wirken sich auf die Furchtbarkeit aus. Auch die Hygiene bei der Geburt und deren Verlauf sowie der Abgang der Nachgeburt haben Einfluss, ob die nachfolgende Belegung/Besamung wieder zu einer Trächtigkeit führt.

Die Problematik der Fruchtbarkeit, hervorgerufen durch die stille Brunst der Mutterkühe und die erschwerte Beobachtung der Tiere durch die Entfernung des Unterstandes ist nicht wegzuleugnen und schmälert den wirtschaftlichen Erfolg. Daher überlegten wir den kurzfristigen Einsatz eines fremden Stieres. Dieser Gedanke wurde jedoch aufgrund von mehreren Bedenken wie zum Beispiel der exponierten Lage des Betriebes oder des Bezuges eines Stieres aus der Anbindehaltung nicht gewagt.

Somit wird die Mutterkuhherde weiterhin hauptsächlich künstlich besamt. Ab Frühjahr 2013 testen wir in Zusammenarbeit mit dem Tiroler Grauviehzuchtverband ein System der automatischen Brunsterkennung, wobei die Aktivität der Tiere gemessen und die Daten an die Servereinheit oder mittels SMS auf das Mobiltelefon weitergeleitet werden.

Resumee:

Das Tiroler Grauvieh bringt viele Vorteile in der Mutterkuhhaltung mit:

  •    Robustrasse für Freilandhaltung mit ansprechenden Tageszunahmen
  •    Geringe Kosten für den Unterstand
  •    Mehrerlös durch funktionierende Markenfleischprogramme
  •    Gute Verfügbarkeit von trächtigen Tieren
  •    Erhaltung eines alten Kulturgutes
  •    Gefördert im Österreichischen Programm für umweltgerechte Landwirtschaft

FL DI Johannes Nachtschatten

 

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